Dienstag, 1. Juli 2014

Eifersucht einmal anders oder kluge Ratschläge im falschen Moment



Es gibt Erstgeborene, die verlangen, dass das erst spannende dann blöde Geschwisterchen vom Klapperstorch gefälligst wieder abgeholt wird. Oder wieder andere, die sauer auf Mama sind, weil die sich jetzt ständig um dieses andere Bündel Mensch kümmert, das zu allem Übel auch noch dauernd Lärm macht und das unter Umständen gründlicher als sie selbst.

Mein Sohn liebt seine Schwester und hat seine Eifersucht in Streit mit Mama in extreme Anhänglichkeit gewandelt, worüber ich sehr froh bin…begleitet von einer Menge Wut…worüber ich nicht sehr froh bin.

Eines schönen sonnigen Tages… ich hole meinen Flummi mit dem noch relativ neuen Murmelkind im Gepäck vom Kindergarten ab.
Wuuuäääähhh… hat der Kronprinz schlechte Laune.
Hübsch sieht er heute aus. Hat sich nach der Mittagsruhe zum Zöpfe machen bei den Mädchen in die Schlange gestellt und eine Palme auf den Kopf gebaut bekommen. Ja, ich weiß: Jungs haben Phasen. Die Lieblingsfarben sind Lila und Glitzer …und Zöpfe sind cool… ich lass ihn ja auch.
So… Helm auf. Problem Zopf gelöst, ab aufs Laufrad und nach Hause.
Blöde Palme! Arbeitet sich doch glatt oben durch den Helm!
Schwamm drüber…

Jaaaa … wir können auch DIESEN Weg nehmen.
Wir haben ja Zeit, das Murmelkind ist satt und ausgeschlafen.
Und sonst gibt’s Geschrei … ich weiß.
Aber irgendwie hat es mein Flummi heute auf Geschrei angelegt. Jetzt will er auch noch in den Getränkemarkt … NÖ!
„Komm, lass uns nach Hause gehen!“
„Nein … da rein!“ Spricht´s und zeigt mit seinem kleinen Fingerchen auf den Markt.
„Zuhause gibt’s ein …“ Mein lockendes Gesäusel bringt hier schon mal nix.
Bin mir darüber im Klaren, wenn ich jetzt nachgebe, kommt das nächste Problem, ich kann es heute einfach nicht richtig machen. Er will es wissen.
Ich seufze und gehe unter kopfschüttelndem Neingesage langsam Richtung heimatlicher Wohnung. Dann geht’s los … OHRENBETÄUBENDES Geschrei. Die ganze Straße erzittert und jede Mutter im Umkreis von gefühlten 3,5 Kilometern, deren Kind schon einmal brüllend im Supermarkt auf dem Boden lag, weiß wie es mir geht. Das noch neue Murmelkind sieht mich verstört aus dem Kinderwagen an, als würde sie sagen wollen: „Was macht der da? SOWAS werde ich niemals tun!“

Nützt ja nix  … irgendwie müssen wir es nach Hause schaffen.
Glücklicherweise verbindet meinen Sohn und mich ein unsichtbares Band … er läuft nie weg … im Gegenteil, er bricht in Panik aus, wenn er mich nicht mehr sehen kann.
Also folgt er mir, wenn auch widerwillig und laut schreiend … aber er folgt in einem gewissen Abstand. Ampeln machen das nicht unbedingt einfacher … ich muss warten …

Das ist genau der Moment, in dem ein Mann, der unser Treiben schon eine ganze Weile beobachtet, zu mir kommt und mir sagt: „Ich weiß, es ist nicht einfach … aber Sie machen das genau richtig … Ich habe darüber ein Buch geschrieben …“
Ich falle ihm barsch ins Wort: „Entschuldigung … aber ich kann jetzt gerade GAR NICHTS!“ Er versteht´s: „Ich wollte es ja auch nur gesagt haben …“ … und schleicht sich.
Der hat mir jetzt gerade noch gefehlt!

Irgendwie schaffen wir es nach Hause. Gebrüll auf der Straße. Geschrei im Treppenhaus. Zu Hause ist es endlich still.
Trinkt seine Apfelschorle zufrieden und schiebt auf dem Boden liegend seine Autos friedlich durch das Wohnzimmer.

Nichts stresst mich so wie Lärm. Wenn er dann auch noch von den Stimmbändern der eigenen Ableger kommt ...
Und da gibt es Männer, die fragen abends tatsächlich ihre Liebste, was sie den lieben langen Tag so getan hat … schließlich wäre sie ja nur mit dem Nachwuchs zu Hause gewesen …

Pfffff ...

Kommentare:

  1. Der Lärm, die meine Kinder von sich geben (Kreischen, Jammern, Wutgebrüll der Großen und Baby-komm-ganz-schnell-und-nehm-mich-hoch-Geschrei oder lass-mich-nicht-allein-Geschrei) gehen mir auch so nahe und schaffen mich sehr, dass ich echt emotional erschöpft bin. Auch ich wünsche mir manchmal Anerkennung für die Leistung die eine Mutter tagtäglich bringt, während sie "ja nur mit den Kleinen zu Hause war und sich mit anderen Mamis trifft"

    LG
    Petra

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    1. Es gibt da eine Geschichte... "Mami" schrieb mal eine ganze Woche auf, was sie menütlich tat und legte das dann "Papi" vor...dann war Ruhe mit "ja nur zu Hause mit den Kindern sein".
      Fahr mal ein WE weg... spätestens dann weiß Mann wie sich Frau fühlt.
      Bleib tapfer! Die Kleinen sind trotzdem das Größte und alles wird besser :-)

      LG
      Rike

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  2. Hallo,
    ich fühle mich auf deinem Blog wirklich puddelwohl ;) Deine Geschichten ausm Alltag sind wie der eigene Alltag Daheim, weswegen man vielleicht gerne drüber liest und dann weiß, dass es anderen genauso geht.
    Mache bei einer Nominierrunde mit, um den eigenen Blog etwas bekannter zu machen und neue andere kennen zu lernen. Vielleicht magst mit machen.
    Habe Dir auf jeden Fall ein Brigitte Herzchen geschenkt und bleibe Leserin!

    Liebe Grüße
    aus dem HeldenNest

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    1. Hi Mina,
      vielen Dank für die Blumen... über die Nominierungsgeschichte muss ich nachdenken... habe ein wenig Sorge, dass dann am Ende vor lauter Nominiererei... könnte ja wie ein Kettenbrief ausarten... der eigentliche Gedanke des Blogs etwas aus dem Blickfeld schießt.

      Liebe Grüße aus dem Norden
      Rike

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