Mittwoch, 19. November 2014

Asien ... und nix anzuziehen

Ich bin noch immer auf Sri Lanka. Heute am Strand.

Die anderen Hotelgäste beobachten seit Tagen aus sicherer Entfernung das Treiben um uns herum. Die Strandverkäufer haben inzwischen alle Namen, schon das eine oder andere Strandtuch an uns verscherbelt und versuchen eine freundschaftliche Beziehung zu ihren neuen „Großkunden“ aufzubauen. Natürlich wollen sie uns alle nach wie vor ihre Großmutter verkaufen und wahrscheinlich auch noch andere ungeliebte Familienmitglieder. Aber wir sind ja neugierige Menschenkinder und gespannt, was noch so kommt.

Es werden ca. zweihundertfünfzig Kataloge für Damen- und Herrenbekleidung angekarrt, die in Begleitung von einem Stoffmusterbüchlein bei mir Zuflucht suchen. Ein Kleid für umgerechnet dreißig Euronen nähen lassen? Warum nicht … Bleibt das Geld wenigstens gleich bei der herstellenden Familie und unserem Stranddealer ... ohne Zwischenhändler. 
Das nenn` ich doch mal fair trade!
Blättere in den Katalogen, finde ein schlichtes Etuikleid und im Musterbüchlein einen hübschen blauen Stoff. Ein Gemisch aus Baumwolle und Seide. 

Mohamed kommt mit einer Näherin wieder und ich werde in Windeseile vermessen. In zwei Tagen soll mein Kleid fertig sein. Wir verabreden uns wieder mit ihm am Strand.

Natürlich ist das Kleid nicht in zwei Tagen fertig. Aber in fünf.  
Mohamed kommt diesmal ohne die Näherin und drückt mir das Kleid in die Hand. 
Auf den ersten Blick sieht es ja ganz hübsch aus. Ich möchte das Kleid anprobieren. Der Reißverschluss auf dem Rücken ist ganz schön kurz. Stülpe es trotzdem über meinen Bikini.
Und dann sehe ich es: Das das Kleid hat keinen einzigen Abnäher ... sie haben einfach zwei Stoffbahnen übereinander gelegt und zusammen genäht. 
So gehört das nicht! 
Ich stecke in einem Schlauch. Von Taille keine Spur. Ich reklamiere. 
Mohamed versteht was ich meine und verspricht Besserung.

Ziehe das Kleid wieder aus … oder besser: ich versuche es auf gleichem Weg zu verlassen, auf dem ich hinein kam.
Wir erinnern uns an den kurzen Reißverschluss im Rückenteil?
Genau … Problem!

Da stehe ich also vor versammelter Mannschaft im Bikini am Strand, ein kobaltblaues Kleid über dem Kopf, die Arme zappelnd in die Luft gereckt und fange in dieser Affenhitze langsam ernsthaft an zu schwitzen.

„Kann mir irgendjemand helfen … BITTE???!!!“

Mit Hilfe von starken Männerhänden werde ich wieder an die frische Luft gezerrt. Als ich wieder auftauche, entgeht mir nicht, dass wie von Zauberhand um uns herum der Strand leer ist. 
Bin ich den Stranddealern etwa peinlich? 
Mohamed verschwindet ebenfalls eilig ... mit Kleid unterm Arm. Aber nicht ohne vorher zu erwähnen, dass auch der Reißverschluss ausgetauscht werden muss.

Schön ... mal so zu zweit am Strand.


In zwei Tagen sind Mohamed und mein Kleid mit Abnähern und langem Reißverschluss zurück. Alle Strandverkäufer ebenfalls. Offensichtlich haben sie sich von ihrem Schock erholt. 

Das Kleid passt wie angegossen. Drehe mich voller Freude wie eine Prinzessin um mich selbst ... und bleibe wie angewurzelt stehen: Eins von diesen niedlichen kleinen Streifenhörnchen hat sich auf meinem Rock, der hinter mir im Sand liegt, niedergelassen und kaut gerade mit Leidenschaft ein Loch hinein.


Kleid sei Dank!
... Sonst hätte ich hier nix anzuziehen.

Fotos: Ichnicht

Erster Teil: Asiens Kühle 
Dritter Teil: Asien und seine Schätze

Kommentare:

  1. Ach schön...wir fliegen nächstes Jahr auch nach Sri Lanka...mal ne Frage, habe gehört dort sollen am Strand und überhaupt viele Hunde rum laufen, stimmt das?
    Liebe Grüße

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    1. Ja ... jede Menge abgewrackte streunende Hunde ... überall ... die sind das nirgends gerne gelitten.

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