Freitag, 13. März 2015

Igeline - Teil 1 oder Wer will schon minigolfen?


Ferien im März. Und schönes Wetter.
Wir wagen heute doch tatsächlich den dritten Versuch zum Minigolf. Das erste Mal war es brechend voll, dann war geschlossen und heute, ja heute soll es endlich klappen. Meine Flöhe radeln fröhlich vor mir her. Die Sonne scheint. Ein gutes Ohmen, da bin ich mir ganz sicher.

Wir sind fast angekommen, da legt mein Flummi eine Vollbremsung ein und beugt sich zu einem rundlichen Etwas mitten auf dem Weg herunter.
„Mama, ein Igel!“ höre -offensichtlich nicht nur ich- ihn brüllen. 

Eine kleine Menschentraube bildet sich um uns und den Igel, der völlig verschlafen mitten auf dem Weg im Stadtpark hockt.
Eine Frau meint: „Es ist noch viel zu früh für Igel.“
Ein Mann: „Die wachen erst Ende März auf.“
Ich überschlage im Kopf… na gut, es ist jetzt Mitte März aber es war auch nicht mehr soooo kalt die letzten Tage. Vielleicht ist dieser Kollege ja tatsächlich etwas früh dran. Dann fallen mir all die freilaufenden Hunde ein, die bis jetzt unseren Weg kreuzten und ich beginne mich ernsthaft um das phlegmatische kleine Stacheltier zu meinen Füßen zu sorgen. Mit abgebissener Nase würde es nur noch halb so niedlich aussehen. 

Wieder die Frau, mit Blick auf meine Handschuhe, die ich trotz der zwölf Grad zum Radeln trage: „Ich würde ihn ja mitnehmen … aber wir sind nicht von hier.“
Ja … ich verstehe schon … der Ball ist bei mir.
Die Menschentraube begreift langsam, dass hier der Schwarze Peter, äh ... Igel gerade verteilt wird und löst sich auf.
„Komm Thorben-Hendrik! Ja, ja … ein Igel … lass uns weiter. Die Lara-Sophie möchte jetzt auf den Spielplatz ... da gibt´s auch Eis!“

Plötzlich sind alle weg. 
Die Frau ist noch da. Sie ist ja nicht von hier. Sie darf schlau reden und den Igel mit ihrem Telefon fotografieren. Sie kann ja nicht helfen. Und ist offensichtlich sehr erleichtert deswegen.
„Ihr Fahrradkorb ist doch perfekt. Und zu Hause den Igel vielleicht in einen Karton … und ein Schälchen Milch hineinstellen?“
„Von Milch bekommt ein Igel Durchfall!“ entfährt es mir. Ich nehme mein Telefon und frage eine bekannte Suchmaschine nach Igelstationen. 
"... Okay. Ist jetzt nicht sooo weit weg. Minigolf fällt wieder aus und wir nehmen den Igel in Flummis Fahrradkorb mit nach Hause. Dann sehen wir weiter." murmele ich vor mich hin. Die Kinder strahlen. Minigolf ist doch mal kackfurzegal. Jetzt retten wir Igel!

Beherzt hebe ich den Igel in den Korb und mein Flummi fährt die vorsichtigste Fahrt seines Lebens, um jede Bodenwelle einen riesigen Schlenker. Murmel als Navigator voraus, ich, pausenlos in den Korb starrend hinterher.  Wir diskutieren während der Fahrt über Futter für unser Findelkind. Darüber, dass es ja jetzt noch keine Schnecken oder Würmer gibt und fragen uns, ob ein Igel nicht auch Äpfel frisst. Das würde zumindest, was den Speiseplan angeht, einiges erleichtern. 


Zu hause angekommen, suchen die Murmel und ich einen Karton, den wir mit Küchenpapier auspolstern, während der Flummi den Igel im Fahrradkorb bewacht.
Ich ziehe noch ein paar Gartenhandschuhe über meine Handschuhe – so ein Igel ist doch schon arg stachelig –, betrachte die zusammengerollte Kugel in meiner Hand und sehe das eine oder andere Insekt auf seinem Gesicht und seinen Ohren umher huschen. Brrrrrrrrrrrrrr…. Flöhe? Milben? Mit Ameisen haben diese Tiere jedenfalls wenig Ähnlichkeit. Und ein Geruch! So ein kleines Wildtier kann schon ganz schön stinken. Oder ist er krank und stinkt deshalb? Um die Aufregung in diesem Hause nicht ausufern zu lassen, verteile ich Aufgaben. Mein Flummi soll nach Igelfutter und Parasiten auf seinem Laptop suchen und die Murmel ist damit beschäftigt, Gott und die Welt über unseren Mitbewohner zu informieren. Währendessen kann ich denken und entscheide mich für einen Anruf beim Igel-Nottelefon.

Die Dame am anderen Ende überschüttet mich sofort mit Fragen. Ob der Igel hustet beispielsweise, ob er blutet, oder stinkt … Nun ja, da gibt es wahrscheinlich unterschiedliche Wahrnehmungen. Ob er eine „Hungerfalte“ hat, wie viel er wiegt … Ähm … Moment! Ich knalle die Küchenwaage auf den Esstisch und stelle Igel samt Karton darauf, subtrahiere gefühlte zweihundert Gramm des Kartons und komme auf ein schmales Ergebnis von fünfhundertfünfzig Gramm. In meiner Welt ist es noch ein ziemlich junger Igel. Ob ich damit richtig liege, weiß ich natürlich nicht. Fakt ist, er stellt sich selbst zum Weiterschlafen gerne auf alle Viere. Das ist gut, wie ich lerne. Nur sehr kranke Igel liegen ständig auf der Seite. Glück gehabt. Ich kann mit unerfahrenem Auge keine Defekte an diesem kleinen Gesellen feststellen. Ob wir dann gleich mal zu ihr fahren können, frage ich. Nein. Sie wäre nur der telefonische Notdienst. In Hamburg gäbe es eine Auffangstation. Eine „Igelfrau“. Sie lebt seit 40 Jahren mit und für die Igel. Sie gibt mir die Telefonnummer der Igelfrau und bietet weiterhin ihre telefonische Hilfe an. Ich bin dankbar.

Den Rest des Tages versuche ich die Igelfrau zu erreichen. Vorerst zwecklos. Irgendwie muss ich aber mich und die Kinder beschäftigen. Sonst drehen wir UND der Igel durch. Der will nämlich eigentlich immer nur schlafen und nicht alle zwei Minuten seinen Kartondeckel gelüftet wissen. Also gehen wir erstmal Katzenfutter kaufen, wie uns die Dame am Telefon geheißen hat. Ohne Soße und ohne Gelee. Gar nicht so einfach. Fast in jedem Katzenfutter ist Soße oder Gelee. Soße und Gelee enthalten Stoffe, die es den faulen Stubentigern ohne Bewegung erleichtern sollen, sich auf dem Katzenklo zu entleeren. Igel können das weniger brauchen. Mit nur einer Darmschlinge neigen sie doch eher zu Flitzkacke.  

Wieder zu hause, stürzen wir zu dritt natürlich sofort zum Igel … und ich entdecke Blut und ein klebriges Sekret auf dem Küchenpapier im Igelkarton. Jetzt mache ich mir doch etwas mehr Sorgen.

Die Igelfrau! Wir brauchen jetzt dringend das Urteil der  Igelfrau!

Fortsetzung hier.

Foto: Ichnicht (immer mit gesundem Abstand zum Stacheltier)

Kommentare:

  1. Hey, Du kannst doch nicht so einfach unterbrechen und sagen... so, jetzt ist Schlafenszeit, morgen lese ich Euch weiter vor...!!!

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    1. Hier geht´s weiter : http://normalerwahn.blogspot.de/2015/03/igeline-teil-2-oder-so-lebt-eine.html
      ;-)

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