Donnerstag, 22. Mai 2014

Lackhöschen

In einem meiner zahlreichen beruflichen Experimente lief ziemlich viel Post über meinen Schreibtisch…u.a. Sämtliches für meinen direkten Vorgesetzten. Als ich damals meinen Job in einer relativ großen Firma antrat, führte ich ein erstes Gespräch mit ihm, in welchem ich ihn fragte, ob ich alle Briefe aufmachen könne oder ob er Briefe mit dem Vermerk „vertraulich“ oder „persönlich“ gerne ungeöffnet auf seinem Schreibtisch hätte. Die Antwort: „Nö, du kannst alles aufmachen…“

Eines schönen sonnigen Tages… ich öffnete die Post… kleine Briefe zuerst… dann größere… und dann… huch! … ein wattierter Umschlag. Wo kam der denn her? Eine Amazon-Bestellung? Aus Halle? …den Lieferanten kenn ich nicht… egal…aufmachen…
Augen versuchen sich mit Gehirn zu synchronisieren: WAS IST DAS DENN? Aus dem Umschlag zog ich eine Latexunterhose in Größe 38! Die will er ja wohl hoffentlich nicht selbst anziehen! Ach ja… unfassbar… der Kerl… besonders erstaunlich…DIESER Kerl hatte ja eine Freundin. Im besten Falle war das Teil für sie, im schlechtesten... nun ja...
Schönen Dank auch… jetzt hatte ich Bilder im Kopf, die ich so nie wollte. Was mach ich denn jetzt?
H I L F E!

In meiner Hilflosigkeit stürmte ich in das Büro meines Lieblingskollegen, um mein ungewolltes Wissen zu teilen und mich mit ihm zu beratschlagen, wie ich aus der Misere wieder herauskam…
Wir starrten beide auf den Umschlag nebst Inhalt. „Ich kann ihm das doch so nicht auf den Tisch legen, oder?“ 
„Nein… besser nicht.“ 
„Dann kann ich auch gleich kündigen!“ 
„Ja… könntest du.“ 
„Kann ich das Teil einfach wieder zukleben? Schau mal, ich hab es sehr vorsichtig aufgerissen… hast du `nen Klebestift?“ 
Gesagt, getan. Ich klebte also den Umschlag wieder zu und deponierte ihn in seiner Abwesenheit auf seinem Schreibtisch und machte für den Rest der Woche einen ziemlichen Bogen um ihn...

...und kündigte erstmal nicht.

Dienstag, 20. Mai 2014

Der Grabscher


Als alleinerziehende Mutter von zwei winzig kleinen Kindern hat man es nicht einfach, im Berufsleben wieder Fuß zu fassen. Besonders, wenn man einen Job hatte, der mit Kindern so gar nicht zu vereinbaren ist. Also… alles zurück auf Anfang und Ausprobieren.

Lieber Gott… ich lese immer dieselbe Anzeige im Hamburger Abendblatt… ist das ein Zeichen?
DANN sollten wir uns doch mal darauf bewerben… Hamburger Edel-Schuhladen sucht Verstärkung… Edel-Schuhe - check! Ich bin doch ein Mächen… Nähe Jungfernstieg - check! Das ist nicht so weit weg... Arbeitszeiten – blöd! Ich werde Hilfe brauchen…
Egal… anrufen kost´ nix.

Was auch immer mich geritten hatte, ich fuhr mit Inlinern zum Vorstellungsgespräch. Und legte mich natürlich auch prompt einige Meter vor den Toren zum Schuhhimmel auf die Nase. Auch das noch... kein gutes Zeichen? Ich wechselte meine Schuhe und humpelte ins Geschäft.
Oha… hübsche junge Verkäuferinnen, aber alle mit taxierenden Blicken: Wer hat hier das nötige Kleingeld um Jimmy Choo, Prada, Balenciaga, Dior und Konsorten zu bezahlen und wer kommt nur zum Staunen und ist keiner Bedienung würdig?

Um es kurz zu machen, ich bekam den Job und reihte mich in die Riege der Damen im Schwarz-Weiß Dresscode ein. Mein erster Arbeitstag wurde damit gekrönt, dass der Chef auch anwesend war. Nur… er ignorierte mich… kein „Hallo“…kein „Herzlich Willkommen“… nix… nada. 
Nun gut… in meiner Welt gehört so was zu den Basics des guten Benehmens… aber… muss ja nicht. Dann brachte ich eben mal den Berg zum Propheten und stellte mich namentlich und persönlich vor seinen Schreibtisch. War er wohl nicht ganz so gewohnt… wirkte etwas irritiert… seltsam. Und noch etwas war ziemlich seltsam… die Mädels fielen ihm fast ausnahmslos alle um den Hals und küssten ihn auf den Mund. Hielt der Typ sich hier einen Harem?

Seine Zurückhaltung mir gegenüber hielt exakt zwei Tage… bis zu dem Augenblick als ich in den Keller musste, in dem er gerade unterwegs war, um ein größenmäßig passendes Paar Schuhe zu holen. Blöd! Rechts und links türmten sich die Regale und in der Mitte musste man sich quasi Bauch an Bauch aneinander vorbei drücken. Also konnte er ja gar nicht anders, als mit riesigen Schritten und ausgestreckter Hand auf mich zuzueilen: „Hallo… wie geht es uns denn heute?“ Ich prustete los: „Ich weiß zwar nicht, wie es Ihnen geht… aber mir geht es hervorragend!“ Nach seiner Reaktion auf meine flapsige Antwort, gefror mir dann allerdings jede Fröhlichkeit im Gesicht. Er griff mir nämlich schäkernd in die Seite und raunte mir „Du kleines freches Stück!“ ins Ohr.
Ich war einigermaßen fassungslos. Ich hatte begriffen: ich sollte mit in seinen Harem.
NÖ!

Ab da machte ich einen Bogen um diesen Menschen, was… wie man sich vorstellen kann… das Ende meiner Karriere im Edel-Schuhtempel war. Ich war nicht traurig darüber. Was bleibt, ist die Verwunderung darüber, was Menschen...besser diese jungen Damen... mit sich machen lassen (Alice würde böse schimpfen!) und die Erkenntnis, dass Anzeigen, die ständig wieder geschaltet werden definitiv kein gutes Zeichen sind!

Und überhaupt... wer braucht schon Zeichen? 


Kindermund



Nadine hatte eine kleine Tochter von 3 Jahren und war alleinerziehend. Das was man alleinerziehenden Müttern ja gerne und mit Recht nachsagen kann, ist Organisationstalent. So auch hier.

Nadine schlitterte morgens schnell noch vor Arbeitsbeginn mit Tochter an der Hand, die ja eigentlich auch schon im Kindergarten sein sollte, auf einige hektische Minuten in eine Drogerie, die auf dem Weg lag. Das hatte den Vorteil, dass sie dieses nicht auch noch am Abend erledigen musste, denn da war die Zeit für gewöhnlich noch knapper…

Die Kleine hatte ein recht lautes glockenhelles Stimmchen war sehr agil und sprach zudem für ihr Alter schon recht deutlich… und auch viel. 
Nadine ließ die Hand ihrer Tochter los, um im Vorbeirasen einige Dinge wie Shampoo, Handcreme und Waschmittel in einen Korb zu sammeln, als sie auf der Rückseite des Regals, vor dem sie stand, unverkennbar ihre Tochter rufen hörte: „Mama, guck mal…hier ist das, womit du dir immer den Po rasierst!“ Nadines Kopf leuchtete von einer Sekunde auf die andere wie ETs Finger, sie ließ den Korb beinahe fallen, als sie ihn unauffällig im nächstbesten Regal entsorgen wollte, schnappte sich in Windeseile ihr Kind und verließ die Drogerie… die sie nie mehr betrat.

Tja… liebe werdenden Mütter und Väter… ihr habt keine Ahnung, worauf ihr euch einlasst. Wie heißt es so schön? Kindermund tut Warheit kund... und das für gewöhnlich IMMER dann, wenn man es am allerwenigsten brauchen kann.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Ei… ist abgebrochen



Eines schönen sommerlichen Tages in Berlin… Mutter lümmelt sich mittags Seite an Seite mit ihrem 3-jährigen Sohn auf der Tagesdecke des elterlichen Bettes. Beide mit dem Blick zur stuckbehafteten Decke. Da fällt dem kleinen Knirps ein: „Mama… ich hab Eier. Hast du auch Eier?“ Schön… das geht ja früh los!

Ich denke, es fürchten sich alle Eltern ein wenig, wenn es um die Aufklärung der lieben Kleinen geht… genauso, wie man sich nicht vorstellen mag, dass die eigenen Eltern tatsächlich miteinander Sex haben könnten… pfui! Uns hat doch alle nur der Klapperstorch gebracht… So!

Muttern lässt sich von diesen Befürchtungen nix anmerken und antwortet, wie es wahrscheinlich jeder Elternratgeber für gut befinden würde: „Nein… ich bin eine Frau… Mädchen und Frauen haben so etwas nicht.“
Allerdings lässt sich der Knirps von dieser Aussage weder beeindrucken noch beirren. „Doch, doch… du hast auch Eier!“

Himmel! Das wird ja schwieriger als ich dachte…
„Ähm… nein, Eier oder besser auch Hoden haben nur Jungs und Männer.“
Knirps blickt Muttern mitleidig an: „Warum keine Eier… ist abgebrochen?“
Muttern rollt sich vor Lachen vom Bett…Gott, ist der niedlich!

Eines schönen sommerlichen Tages in Hamburg... wenn er das liest... wird er sich von mir lossagen.

Montag, 12. Mai 2014

Transitstrecke



Damals… also jetzt wieder ganz damals…
Meine Freundin Theresia aus der medizinischen Fachschule und ich sind gerne nach Berlin getrampt. Einfach nur so, für ein Wochenende. Sehen, was die Großstadt und wohin es uns so treibt. Für diese Zwecke gaben wir uns dann gegenseitig ein Alibi. Schließlich waren wir mit unseren siebzehn Jahren noch minderjährig und diese Wochenendbeschäftigung nicht unbedingt etwas, das Eltern für gewöhnlich tolerieren. Also Theresia war dann in der offiziellen Version am Wochenende wahlweise bei mir in Rostock und ich bei ihr in Wismar oder wir blieben ganz einfach im Internat.

Aus irgendeinem Grund waren wir an diesem Freitag tatsächlich bei Theresia in Wismar und machten uns am Samstag auf den Weg nach Berlin.
Falls sich jemand erinnert, die Transitstrecke aus dem Westen war genau das, was man benutzen musste, um von Wismar nach Berlin zu kommen.

Wir kamen relativ gut weg aus Wismar und dann passierte, was nun wirklich nicht passieren sollte: wir wurden an einer Raststätte mitten auf der Transitstrecke rausgesetzt, weil unsere Mitfahrgelegenheit die nächste Abfahrt runter musste. Mistkacka!
Hier wieder weg zu kommen bedeutete notwendiges Glück.
Na und? Der Tag war sonnig und warm, wir hatten keine Lust uns gleich wieder an die Straße zu stellen und den Daumen raus zu halten, also saßen wir eine Weile am Rand des Parkplatzes und sahen dem Kommen und Gehen zu.

Es dauerte aber nicht lange, da steuerte ein grün-weißer Wartburg auf uns zu. Aus stiegen zwei uniformierte grüne Männchen. Abermals Mistkacka!
„Guten Tag, Personenkontrolle. Bitte, Ihre Ausweise!“
(Anmerkung: In der DDR wurden Personen ab dem 14. Lebensjahr gesiezt, selbst in der Schule. Bescheuerte Macke des Ostens!)
Wir zogen unsere Personalausweise, wurden nach unserem Ziel, der Art und Weise dieses zu erreichen befragt, sogen uns Name, Verwandtschaftsgrad und Adresse aus den Fingern und ließen eine umfangreiche Belehrung über uns ergehen,die mit den  Worten schloss: „Aber nicht, dass Sie hier mit irgendwelchen Westwagen mitfahren! Das ist verboten!“
Und sie wussten genau: Auf dieser Autobahn fuhren fast nur Transitreisende, eben jene "Westwagen".

Alsbald darauf standen wir wieder am Straßenrand und das gestreifte Auto verließ die Raststätte. Wie vermutet, warteten wir eine ganze Weile, dann hielt endlich ein Auto, ein westdeutscher Mercedes mit dreifach indischer Besatzung.
Einsteigen oder nicht? Das war jetzt die Frage. Wir sahen uns suchend um, entschieden uns für ersteres und nahmen Platz im edlen Gefährt.

Die Inder waren sehr mitteilungsbedürftig und beklagten sich zuerst einmal über das Tempolimit auf der ostdeutschen Autobahn. Als wir allerdings unsere Story über unsere Begegnung auf der Raststätte zum Besten gaben, irritierte das den Fahrer dermaßen, dass er nur noch mit 80 km/h über die Straße kroch.
Einige Kilometer weiter erblickte er ein kleines grün-weißes Auto im Rückspiegel, aus dem mit einer Kelle das Anhalten gefordert wurde. Klar, wir blond und brünett sahen wirklich sehr indisch aus und fielen bestimmt nicht auf  zwischen den netten Herren mit Turban. Wir rutschten fast unter den Sitz.

Auf dem Standstreifen bröckelten wir einer nach dem anderen aus dem Auto. 
Jede Wette, die hatten, von ihren netten Kollegen informiert, bereits auf uns gewartet, .
Über eine Stunde hockten wir im Straßengraben. Ohne Ausweise.
Wenn das Papi wüsste!
Die Inder hatten üble… üblere… übelste Laune und sahen uns nicht einmal mehr an. Sicherlich wurden sie mit einem saftigen Bußgeld belegt.

Dann kam die Ansage von einem der kleinen grünen Männchen an uns: „Und SIE verlassen jetzt sofort die Autobahn!“
Hä??? Hatte der Typ Kartoffeln, die direkt vor uns auf dem Feld wuchsen inzwischen auch auf den Augen? Autobahn verlassen? Wie denn?
„Na zu Fuß!“
Tja… schöne Reise! Zu Fuß über einen Kartoffelacker. So hatten wir uns das vorgestellt.

Als wir endlich die nächste Straße erreichten, hatten wir nicht mal den Hauch einer Ahnung, wo wir uns befanden. Autos? Fuhr hier überhaupt jemand? Und falls ja? Welche Richtung? Wir standen vorsichtshalber dann mal auf beiden Seiten der Straße verteilt.
Endlich ein Auto in Sicht, besetzt mit einem Mann, der aussah als wäre er der, vor dem Mütter ihre Töchter immer warnten: tätowiert bis unter die Halskrause, Zigarette dampfend im Mundwinkel und grimmigster Blick. Das hatte damals definitiv weniger mit Mode zu tun, sondern war ein sicheres Zeichen für einen Knastaufenthalt. Und er war quasi stumm. Nicht sprechen wirkt in dieser Kombination auch nicht gerade vertrauenerweckend, stellte ich fest. Wir wählten den nächsten Bahnhof an dem wir vorbei kommen würden als Ziel und hopsten fröhlich und wider Erwarten in einem Stück aus dem Auto.  Von der Tramperei hatten wir für heute genug.

Die Zugfahrt dauerte ewig und riss ein anständiges Loch in unsere bescheidene Reisekasse.
Berlin erreichten wir in der Dunkelheit und die eigentliche Arbeit lag ja noch vor uns: das Organisieren eines kostenlosen Bettes für die Nacht.
Aber auch das würde uns gelingen. Wie immer.


Freitag, 9. Mai 2014

Nahrungsergänzung



Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch eine Geschichte dieser Art auf Lager hätte…

So begab es sich zu einer Zeit, als ich als Personal Trainerin unterwegs war und sich Vertreter für Nahrungsergänzungsmittel auch für meine bescheidenen Umsätze interessierten, dass einer dieser Herren es schaffte mit mir einen Termin zu vereinbaren… bei mir zu Haus.
Vorher wollte ich schnell noch einkaufen… war ja noch etwas Zeit… knapp, aber würde schon gehen…

Jeder der mich kennt, weiß dass ich gerne mit Inlinern durch die Stadt sause… ist quasi eine Art Verkehrsmittel für mich. So auch an diesem Tag.

Voll mit Tüten beladen turnte ich also auf Rollen voller Hektik die Einfahrt zu unserem Haus hoch, wo der Herr im Anzug mit seinen Pröbchen bereits auf mich wartete. Ich war zu spät… Mistkacka!

Schulter zuckend eine Entschuldigung murmelnd schloss ich die Tür auf und rollte ebenerdig durch den Flur in die offene Küche aus der die Musikanlage noch in voller Lautstärke tönte. Damit ein Gespräch überhaupt möglich sein würde, wollte ich dieser als erstes schnell die Lautsprecher stopften. Leider verkalkulierte ich mich etwas im Bremsweg und donnerte volle Kanne gegen das Regal, in der die Anlage stand, verlor das Gleichgewicht und saß nun breitbeinig direkt davor, während aus dem obersten Fach sämtliche Sektgläser auf mich herunterrieselten.

Nachdem sich der Lärm gelegt hatte und ich seinen entsetzten Blick auf die vor ihm sitzende Gestalt mitten im Scherbenhaufen wahrnahm, konnte ich nur noch denken: Mauseloch! Jetzt! Sofort!

Aber meinen Mund hörte ich sagen: "Wo soll ich unterschreiben?"

Donnerstag, 8. Mai 2014

Der gebrauchte Tag



Eine weitere Geschichte in der Rubrik Peinlich:
Thomas, Inhaber einer kleinen Firma, hatte einen Termin irgendwo in Deutschland, einen Vortrag zu halten. Gebucht war ein Flug am frühesten Morgen. 
Dazu muss man wissen...Thomas schläft gern lang… am Wochenende gerne mal bis nachmittags um zwei. Also können wir davon ausgehen, dass ihm das Aufstehen in aller Frühe nicht besonders leicht fällt.
Kurz: Thomas hatte natürlich verschlafen und seine Freundin musste ihm aus dieser Klemme helfen, indem sie ihn …selbst nur mit Pyjama und Bademantel bekleidet …zum Flughafen fuhr, während er sich im Auto anzog und die Zähne putzte.

Nur… was war das? Ein Auto sollte natürlich betankt sein, bevor man es benutzt. Also blieb die bockige Karre mitten auf einer der größten Kreuzungen ganz Hamburgs liegen… was einerseits die Weiterfahrt mit einem der Richtung Flughafen umherflitzenden Taxis einfacher machte, aber auch die Freundin im Bademantel in eine äußerst missliche Lage brachte.
Den Flieger schaffte er auf den letzten Drücker, was mit der Freundin im Bademantel auf der Kreuzung passiert ist, habe ich leider vergessen.

So… 2. Akt: Vortrag… Als er dann in einer Pause seines Vortrages die Waschräume aufsuchte, musste er leider beim Blick in den  Spiegel feststellen, das der Inhalt seines rechten Nasenloches quer übers Gesicht in Richtung Ohr gekrochen und dort seinen Aggregatszustand von flüssig zu fest gewechselt hatte.

Das nenn ich mal einen gebrauchten Tag!

Dienstag, 6. Mai 2014

Tante Moni



Früher… ja früher, nicht ganz damals… zu Zeiten, als wir in großer Runde durch die Gegend zogen, hatten wir ein Ritual. Jeder, der neu zu uns stieß, musste sein peinlichstes Erlebnis erzählen. Es kamen mir dabei ziemlich lustige Sachen zu Ohren.

Zum Beispiel erzählte mal eine Freundin eine Episode aus ihrer Kindheit, von einer Tour mit der ganzen Familie… Onkel, Tante… eben Kind und Kegel, in einem alten Hanomag-Bus durch Europa.

Jeder kann sich vorstellen, dass die damaligen stillen Örtlichkeiten mehr als gewöhnungsbedürftig waren. Es gibt ja heute in einigen europäischen Ländern noch Löcher in Böden über denen sich die Menschen erleichtern.

So war also besagte Familie auf der Rücktour mehr als froh, die erste Autobahnraststätte und vernünftige WCs ansteuern zu können. In diesem Falle gehörte auch ein angrenzender Wickelraum dazu, der wiederum an das Restaurant grenzte - von innen verspiegelt und von außen verdunkeltes Glas.

Die Familie meiner Freundin hatte sich inzwischen im Restaurant versammelt und widmete sich inbrünstig deutschem Autobahnraststättenessen, bis einer nach dem anderen das Kauen einstellte und letztlich jemand artikulierte, was denn bitte Tante Moni da mache!
Tante Moni hatte sich aufgrund der Fülle in den Wickelraum zurück gezogen und wechselte dort ihre Slipeinlage. 

Das Gelächter am Tisch muss in etwa so groß gewesen sein, wie in unserer Runde.

Mein Dank an Tante Moni!

Montag, 14. April 2014

Mäuse



Neulich saß so eine kleine niedliche Maus auf unserer Garageneinfahrt. Offensichtlich etwas derangiert, denn sie machte keinerlei Anstalten, vor mir zu flüchten. Entweder sie hatte einen Unfall mit einem der auf dem Hof herumrasenden Autos oder aber sie war benommen, nachdem sie durch eine dieser Rattenfallen gestratzt war, die hier aufgestellt sind. Ich hatte Angst, dass ich sie beim Wegfahren mit dem Auto plätten könnte… das arme süße Ding! Also schob ich sie mit einem Briefumschlag vorsichtig von der Auffahrt. Ihre Gegenwehr war eher nicht der Rede wert, sie hat lediglich vorsichtig mit mir geschimpft.
Als ich später zurück kam, war sie verschwunden. 



Diese kleine Episode erinnert mich an eine Geschichte von damals. Also ich meine ganz damals, als ich noch zur Medifa –Medizinischen Fachschule- ging.

Wir hatten Anatomieunterricht im Anatomischen Institut… dort gab es einen Hausmeister, dessen Hirnwindungen nicht all zu sehr beleuchtet waren aber er war dennoch ein netter Kerl und freute sich offensichtlich immer über die Mädels, die zum Unterricht kamen und sich mal kurz mit ihm abgaben. Er war es auch, der uns in den Katakomben des Institutes erwischte, als wir neugierig umher schlichen und auf der Suche nach Abenteuern alte Särge öffneten und darin mumifizierte Leichenteile fanden. Für uns war damit der Gruselfaktor erfüllt. Er allerdings musste unbedingt noch einen drauf setzen, griff sich ein etwa 3 Meter langes Darmstück und ließ es über seinem Haupt wie ein Lasso kreisen. Sehr bizarr…

Ein anderes Mal, wir trafen gerade auf dem Hof ein, stand er über einem Papierkorb mit einer toten Maus in seiner einwegbeschuhten Hand. Was auch immer mir in dem Augenblick durchs Hirn sauste… ich forderte ihn auf, mir die Maus …eingepackt im Handschuh!...zu überlassen, was er sofort und voller Freude tat. Meine 2 Freundinnen, die mich auf diese Art Abenteuer immer begleiteten, freuten sich diebisch mit mir, denn die arme Maus sollte in der Federtasche einer unserer Mitkommilitonen landen.

Und da waren wir nun im Unterricht… alle an einer langen Tafel sitzend… wir natürlich gaaanz hinten, wo Rebellen, böse Schüler und Vollhorste für gewöhnlich sitzen… schön weit weg vom Lehrer… bereits gescholten wegen Zuspätkommens.  

Den Worten einer der langweiligsten und strengsten Lehrerinnen folgend… oder auch nicht… die Maus wartend in meiner Tasche auf ihre nächste Station…  … machte sich die Kunde meines Tascheninhaltes in unserer nächsten Umgebung breit, was natürlich für etwas Unruhe und einen steigenden Unmutspegel nun ebendieser Lehrerin sorgte.

Jetzt musste nur noch die Federtasche der dicken Doris aus dem Grüppchen der „Merkwürdigen“ in meine Reichweite. Keine Ahnung, warum ich gerade sie wählte, denn eigentlich mochte ich sie… aber vielleicht saß sie einfach im optimalen Abstand zu meinem Platz. Jedenfalls…fand die Maus in ihrer Federtasche ihre nächste, nicht ganz so ruhige Ruhestätte.
Die Federtasche landete… mit Hilfe ahnungsloser Helfer… samt Inhalt an ihrem Platz und es folgten nun einige Minuten Stille und Warten… bis dann ENDLICH die Federtasche geöffnet wurde und die Maus, nachdem sie erkannt und für tot befunden war mit einem Schrei und ziemlichem Schwung in unsere Richtung befördert wurde. Das war´s! Wir am Ende des Tisches wurden aus Lehrersicht in Windeseile als Unruheherd identifiziert und  mussten Fingerzeig: „Sie und Sie und Sie!“ zu dritt …Pardon! ...zu viert…  die Maus musste mit… ebenso in Windeseile den Unterricht verlassen.

Ich glaube wir haben die Maus dann standesgemäß bestattet und sind unserer bizarren Teenie-Neugier wieder in die Katakomben des Institutes gefolgt.

Arme Maus!

Montag, 7. April 2014

Alsterdorfer Fenstersturz



Mein Sohn kommt nach Hause und erzählt: „Mama, heute ist ein Mädchen aus der Parallelklasse aus dem 2. Stock gefallen…“

Muttern stehen ad hoc sämtliche von Epilierung und Rasur verschont gebliebenen Haare zu Berge…“WAS???!!! ...wie ist das passiert? …ist sie ok? …warst du dabei? …hast du das gesehen?“
„Nein…nur den Krankenwagen auf dem Hof…und die Mädchen, die uns entgegen kamen…nach der Pause… haben alle geweint…“
„Was ist denn passiert?“
„Die haben in der Klasse Verstecken gespielt… und das Mädchen saß auf dem Fensterbrett und hat nicht gemerkt, dass hinter ihr das Fenster offen war… da hat dann jemand den Vorhang mit Schwung zur Seite gerissen und sie sich so erschrocken, dass sie rückwärts aus dem Fenster gefallen ist.“
Muttern hoffnungsvoll, immer noch alle Haare aufrecht: „Worauf ist sie denn gefallen… Büsche?“
„Nein auf Rasen… ganz knapp neben so ein Ding, dass aussieht wie eine Gabel… sie ist eine ganze Schulstunde auf dem Hof behandelt worden“
„Ohgottohgott… das klingt nicht gut… gar nicht gut!“
„Ja…überall an ihrem Kopf war Blut…und die anderen haben noch den Fehler gemacht und haben ihr aufgeholfen…“
„Wie? Aufgeholfen?“
„Naja… die sind runter gerannt und haben ihr Aufstehen geholfen… sie war noch etwas tüddelig… ist dann aber gleich wieder umgefallen…“
Kinder, ist mir übel!

Am nächsten Tag frage ich meinen Sohn, wie es dem Mädchen geht…entspannenderweise hatte sie enormes Glück… lediglich eine Gehirnerschütterung, ein gebrochenes Handgelenk und einen gebrochenen Arm. Kinder scheinen manchmal aus Gummi zu sein… in diesem Falle beruhigend.



Himmel! Ich habe meinen Kindern sofort untersagt, mir jemals so einen Schrecken einzujagen. Denn auch wenn es den Anschein hat…nicht alle sind aus Gummi.